Impressionen aus Mücke - Hessens Mitte
 
 

Ende der Gemeinde Ilsdorf

Eine Chronik wie diese, auch auszugsweise, wäre in jedem Falle unvollständig, wenn nicht auf das Ende der Selbständigkeit der Gemeinde llsdorfs eingegangen würde. Selbst dann, wenn sich dieser Akt erst vor nunmehr siebzehn Jahren (Anm: dh. 1972) vollzogen hat, dürfte eine kurze Betrachtung - hier aus der Sicht des zuletzt Verantwortlichen - für die nachfolgenden Generationen interessant sein.

 

Die Gemeindegebietsreform, wie der amtliche Ausdruck damals lautete, wurde vom Landesgesetzgeber Ende der 60er Jahre mit Anreizen finanzieller Art als zukunftsweisend angepriesen. Die Vorstellungen gingen dahin, daß von den zum Landkreis Alsfeld gehörenden 94 Städten und Gemeinden am Ende der Reform nur noch zehn Verwaltungseinheiten existieren sollten. Schon bald wurden auch in unserem Raum Gemeindezusammenschlüsse auf freiwilliger Basis erreicht.

Die Belohnung kam in Form von erhöhten Schlüsselzuweisungen vom Land. So schlossen sich die Gemeinden Flensungen und Merlau als erste zusammen, um auch ein größeres Gewicht gegenüber der Nachbargemeinde Nieder-Ohmen zu erreichen. Im weiteren Verlaufe entbrannte ein regelrechter Konkurrenzkampf zwischen den Kontrahenten, galt es doch, möglichst viele Nachbargemeinden an sich zu binden und damit seine Position zu stärken.

So gliederte die Gemeinde Mücke (Flensungen und Merlau) nacheinander die Gemeinden Groß-Eichen, Sellnrod, Atzenhain, Höckersdorf, Ruppertenrod und auch unsere Gemeinde (Anm.: Ilsdorf) ein. Nieder-Ohmen war weniger erfolgreich, vergrößerte jedoch sein Einzugsgebiet mit den Orten Bernsfeld und Wettsaasen.

Bis kurz vor Ende der vom Landesgesetzgeber gesetzten Frist (31.12.71) waren somit in diesem Raum nur noch drei selbständige Gemeinden, nämlich Mücke, Nieder-Ohmen und Ober-Ohmen vorhanden. Diese vereinigten sich dann, begleitet von erheblichen Geburtswehen und unter verstärktem Einsatz des damaligen Landrates Kratz, zur Großgemeinde Mücke.

Insbesondere bei der Namensgebung gab es noch erhebliche Differenzen; die Ortsbezeichnung Mücke als der jahrhundertealte Begriff für den zentralen Punkt wurde mit überwiegender Mehrheit angenommen.

Jetzt, nach fast 25 Jahren, sollte man nicht mehr über den Sinn und Zweck dieser Gebietsreform diskutieren. Nicht zu leugnen ist die Tatsache, daß vor der Reform viele Verwaltungen, die ehrenamtlich betreut wurden, den ständig wachsenden Aufgaben nicht mehr gerecht wurden. Zweifelsohne steht auch fest, daß überregionale Aufgaben durch größere Verwaltungseinheiten leichter zu meistern sind. Auch die sogenannte Funktionsreform, die mit der Gebietsreform einhergehen sollte und Verlagerungen von bestimmten Verwaltungsaufgaben von den Kreisverwaltungen zu den Gemeindeverwaltungen vorsah, hat den Bürgern letzt endlich Nutzen gebracht.

Hingegen hat sich die damalige Meinung, daß Verwaltungen durch Konzentrierung billiger werden, in keinster Weise bestätigt. Auch die Rührigkeit und Mitarbeit der Bürger, besonders in den kleinen Gemeinden, ist nicht mehr in dem früher üblichen Maße vorhanden. Ganz eindeutig ist sichtbar, daß die Politisierung auf Kosten der sachlichen Zusammenarbeit zugenommen hat.

Wir als Verantwortliche einer der kleinsten Gemeinden haben nur wenig Einfluß, dem allgemeinen Trend der damaligen Reformwütigkeit zu widersprechen. Auch wollten wir uns nicht dem Vorwurf aussetzen, daß Investitionen in unserer Gemeinde durch egoistisches Verhalten verhindert werden. Die Selbständigkeit llsdorfs endete mit dem 31.12.1971.

Autor: Rudolf Velten, Ortvorsteher Ilsdorf (Jan. 98)