Ein Stück Merlauer Geschichte wird lebendig
Im Keller der Scheune des ehemaligen Gutshofes in Merlau verbirgt sich ein besonderer Ort: der Schlosskeller. Was einst ein vergessener Rübenkeller war, ist heute ein Fenster in die über 400-jährige Geschichte des Ortes – liebevoll hergerichtet von der Merlauer Hobstallstowwe.
Ein langer Weg der Restaurierung
Die Geschichte des Schlosskellers begann 2011 mit einer Idee: den alten, ungenutzten Kellerraum in der Scheune des ehemaligen Gutshofes wieder zugänglich zu machen. Zu diesem Zeitpunkt war der Raum feucht und unansehnlich – an eine Nutzung war kaum zu denken.2013 folgte ein erster wichtiger Schritt: Der Keller wurde an das Belüftungssystem des Dorfgemeinschaftshauses angeschlossen und Zwischenmauern entfernt, um die Luftzirkulation zu verbessern. Unter einer 20 Zentimeter dicken Erdschicht kam 2021 das alte Kopfsteinpflaster zum Vorschein und wurde freigelegt. Im selben Jahr konnte ein schmiedeeisernes Eingangstor erworben werden, und die Schlosssteine kehrten vom Autohof in Atzenhain an ihren historischen Platz zurück.
2022 wurden die Elektroarbeiten und die beidseitige Aufmauerung der Bruchsteinsockel abgeschlossen. Im Folgejahr ergänzte der Verputz das Gesamtbild. 2024 wurde der Schlosskeller ausgestattet und eingerichtet, um die über 400-jährige Geschichte von Merlau zu präsentieren. Im April 2026 wurde der Schlosskeller schließlich feierlich eröffnet und offiziell der Öffentlichkeit übergeben.
Das Schlossmodell – ein Meisterwerk der Detailtreue
Ein besonderes Highlight im Schlosskeller ist das Modell des einstigen Schlosses Merlau. Dipl. Ing. Hugo Schneider fertigte es in den 1960er- und 70er-Jahren im Maßstab 1:100 anhand alter Originalbaupläne und -ansichten an – bis ins kleinste Detail, mit großer Fachkompetenz und in mühseliger Arbeit.
Das Modell stand viele Jahre ungesehen auf dem Dachboden des ehemaligen Pfarrhauses in Merlau. Dank einer Schenkung von Lilli Kirsch gelangte es 2020 in den Bestand der Hobstallstowwe, wo es umfänglich restauriert und für die Ausstellung vorbereitet wurde.
Das Schloss Merlau – eine bewegte Geschichte
Das Merlauer Schloss ließ Landgraf Ludwig IV. durch seinen Baumeister Ebert Baldewein von 1583 bis 1592 errichten. Es war ein Wasserschloss, bei dem der umliegende Graben nach Bedarf durch aufgestaute Teiche unter Wasser gesetzt werden konnte. Der Sage nach soll das Schloss „so viele Fenster wie Tage im Jahr“ gehabt haben.
Schon zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges 1618 diente es als Quartier für durchziehende Truppen – ebenso in vielen folgenden Kriegen. Erstürmungen, Brandschatzungen und Plünderungen setzten dem Ort und seiner Bevölkerung immer wieder zu. 1790 beschlossen die Merlauer Bürger schließlich, das Schloss durch Abdecken des Daches verfallen zu lassen. 1823 übernahm die Gemeinde die Schlossruine und nutzte sie als Steinbruch.
Noch heute zeugen viele Häuser in Merlau von diesem Kapitel: Sie wurden mit den Steinen des Schlosses gebaut. Ein besonders sichtbares Beispiel ist die Merlauer Kirche, die von 1853 bis 1857 aus Steinen der Schlossruine errichtet wurde.
Öffnungszeiten
Der Schlosskeller ist jeden 1. Sonntag im Monat von 14:00 bis 16:00 Uhr geöffnet.
Darüber hinaus ist ein Besuch selbstverständlich auch nach Vereinbarung auf Anfrage möglich.
Weitere Informationen zum Schloss Merlau: https://www.schloss-merlau.de